Niemals vergessen! – Gedenkfeier zur Reichspogromnacht

Am 7. November 2021 fand auf dem Jüdischen Friedhof in Erlangen die Gedenkveranstaltung für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus statt. Unsere Schule, das Gymnasium Fridericianum, beteiligte sich zusammen mit der jüdischen Gemeinde und der Stadt Erlangen daran. 17 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen und der Q11, die sich freiwillig dafür gemeldet hatten, sowie drei Lehrerinnen lasen die Namen der Opfer und Gebete aus der Tora und dem Alten Testament vor. Es wurden Kerzen entzündet und für jede Tote und jeden Toten ein Stein gelegt. Herr Bürgermeister Volleth, Frau Limburg-Klaus, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Erlangen, und Frau Pfarrerin Gillmann, Vertreterin der christlichen Kirchen, sprachen erinnernde Worte. Ein bewegendes Gebet sang Yonatan Amrani, der Kantor der jüdischen Gemeinde.

Frau Limburg-Klaus hatte eine Botschaft an unsere Schülerinnen und Schüler: „Lasst euch nicht vorschreiben, wen ihr lieben dürft!“. Mahnend sprach sie die Kontinuitäten und das Wiederaufflammen antisemitischer Haltungen und Vorfälle in unserer Zeit an, verbunden mit der Bitte, sich offen und aktiv dagegen zu positionieren.

Text: Andrea Wiesner-Krotter, Foto: Silke Hebecker

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Zeitzeugengespräch mit Mario Röllig zur Geschichte der DDR

Wenn du wegen eines Beckenbauer-T-Shirt vor deiner Klasse bloßgestellt wirst …

Am 18.6.2018 war Mario Röllig zu Gast im Gymnasium Fridericianum Erlangen. Als Zeitzeuge erzählte er den 10. Klassen aus seinem Leben unter dem Thema:  „ Meine Erfahrungen in der DDR – Politische Verfolgung in der SED-Diktatur“. 
In einem eindrucksvollen, bewegenden, manchmal auch humorigen und tiefe private Einblicke gewährenden Vortrag veranschaulichte er die Geschichte der DDR, die die Schüler bereits aus dem Geschichtsunterricht kannten. Durch Schilderungen aus seiner Schulzeit konnte man sehr leicht Vergleiche zum eigenen Leben herstellen und war oftmals schockiert, was Kindheit in der DDR bedeutete: Als er  z.B. bei einem Fahnenappell in der 1. Klasse  als begeisterter Fußballfan – zu dem Zeitpunkt fand die Weltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik Deutschland statt – ein Beckenbauer-T-Shirt trug, wurde er deswegen von seinen Lehrern vor der ganzen Klasse und Schule als Unterstützer des Klassenfeinds bloßgestellt. Auch die Schulsportdisziplin „Handgranatenweitwurf“ oder das Unterrichtsfach „Wehrkunde“  sorgten für Irritation unter den Zuhörern. 
Mario Röllig schilderte weiterhin eindrucksvoll, was ihn dazu brachte, 1987 einen Fluchtversuch aus der DDR zu wagen. Dieser scheiterte aber und er wurde im „Stasi-Gefängnis“ Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert. Die Haftbedingung und das systematische Zermürben der Gefangenen erklärte er sehr deutlich und zeigte so die menschenverachtenden Methoden des SED-Regimes auf. Im März 1988 wurde er gegen westdeutsche Devisen ausgebürgert und durfte die DDR verlassen, was er als seinen zweiten Geburtstag bezeichnete. Auch der juristische und moralische Umgang mit den damaligen Tätern, die oft straffrei ausgingen, blieb nicht unerwähnt und interessierte die Zuhörer auch in der abschließenden Diskussionsrunde. 
Besonders am Herzen lag Herrn Röllig der Hinweis darauf, dass er 1988 ein Flüchtling war und in der damaligen Bundesrepublik Deutschland eine offene Aufnahme und eine Chance bekommen hat, wofür er extrem dankbar und glücklich war und ist. Er gab zu bedenken, dass sich auch heute viele Menschen diese Chance wünschten.
Dieses Zeitzeugengespräch war ungemein interessant und packend und leistete nicht zuletzt einen großen Beitrag zur Politischen Bildung an unserer Schule. 

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