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DDR Zeitzeuge Mario Röllig aus Berlin zu Besuch am GFE

Es wird der Tag kommen, an dem ich das graue Gefängnistor von Hohenschönhausen für immer hinter mir schließe. Aber erst, wenn in jedem Schulgeschichtsbuch steht: Die DDR war eine Diktatur!“ (Mario Röllig)

Mit diesem Anliegen besuchte Mario Röllig am 1.Juli 2026 das GFE, um Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 11 von seiner Erfahrung mit der SED-Diktatur zu berichten. Nie käme man auf die Idee, dass dieser selbstbewusste und redegewandte Mann heute noch Angst hat, vor grellem Licht oder dem Geräusch von Zweitaktmotoren – Sinneseindrücke, die für ihn immer mit der Inhaftierung in Berlin Hohenschönhausen verbunden sein werden. Dabei war Röllig nicht von Anfang an ein Systemgegner. „Eigentlich wäre ich zufrieden gewesen mit der DDR“, sagt Mario Röllig über seine Jugend, „ich hatte einen privilegierten Job im Flughafenrestaurant und Geld – vermutlich wäre ich als angepasster DDR-Bürger durchs Leben gegangen, wenn das alles nicht passiert wäre.“ Doch dann passierte etwas, dass Mario Rölligs Leben für immer veränderte. Wegen seiner Freundschaft zu einem West-Berliner Politiker sollte er als Informant des DDR-Staatssicherheitsdienstes angeworben werden. Weil er dies ablehnte, wurde er massiv unter Druck gesetzt. Deshalb versuchte er über Ungarn nach Jugoslawien zu fliehen. Die ungarische Grenzpolizei verhaftete Röllig jedoch und übergab ihn dem DDR-Staatssicherheitsdienst. Daraufhin kam er für drei Monate in das Untersuchungsgefängnis nach Berlin-Hohenschönhausen.

Eindrucksvoll schildert Mario Röllig den Zuhörern, wie er nach seiner Verhaftung in einem Lieferwagen verschleppt wurde – ohne zu wissen, wohin, ohne seine Angehörigen oder einen Anwalt kontaktieren zu können. Auch während der dreimonatigen Inhaftierung musste er physische und psychische Folterungen erleiden. Sie drohen ihm: „Wir sind die Staatssicherheit. Wir müssen nicht nett zu Ihnen sein.“ Und sie machen ihm Angst. Beobachten ihn durch den Spion beim Toilettengang. Verhören ihn über Stunden, dann wieder tagelang gar nicht. Erst 1997 erfuhr er aus seinen Stasi-Akten, wo er zehn Jahre zuvor inhaftiert gewesen war. Besonders schockierend daran, sein bester Freund hatte ihn jahrelang bespitzelt. Auch nach seiner Entlassung erfuhr er persönliche und berufliche Repressalien. Nach einem Protestbrief an Erich Honecker und im Rahmen des offiziellen Häftlingsfreikaufs der BRD wurde er schließlich 1988 aus der DDR ausgebürgert.

Durch seine persönliche Erfahrungen ist es Mario Röllig ein besonderes Anliegen, sich öffentlich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Seit über zehn Jahren führt er bereits Zeitzeugengespräche und engagiert sich in Schüler- und Kunstprojekten für die Aufarbeitung der SED-Diktaur. Wir danken Herrn Röllig für seinen Besuch am GFE und seinen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung. Gerade heute, in der sich die Demokratie mit vielen Herausforderungen konfrontiert sieht, ist es wichtig, sich für Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte einzusetzen, da diese nicht selbstverständlich sind, wie Mario Röllig mit seiner Lebensgeschichte eindrucksvoll beweist. Ein Dank geht auch an den Verein für Menschenwürde Mittelfranken e.V. und dem Förderverein unserer Schule, die uns diesen Besuch finanziell ermöglicht haben.

Text und Foto: Franziska Staschik